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GEDICHTEREIGEN

16. Juni 2026

Zwischen Sorge, Enttäuschung und der tiefen Verbundenheit mit unserem Wald entstehen Worte, die berühren. Von Mitstreitern und engagierten Bürgern haben wir Zuschriften und Gedichte erhalten, die die Absurdität der aktuellen Situation und die empfundene Hilflosigkeit poetisch zum Ausdruck bringen. Mit unserem „Gedichtereigen“ möchten wir diesen Stimmen Raum geben.

Ein Gedicht von unserem beheimateten Historiker und Ehrenbürger von Georgenthal – Dr. Roland Scharff

Eine der großen Fragen von heute

Sagt mir, wo die Bäume sind –
Wo sind sie geblieben
Wünscht ihr euch jetzt nur noch Wind?
Oder gar den Sturm?
Windräder tun uns so weh
Hier gibt es kaum noch einen Wurm
Kein Sauerstoff, herr je mine
Die Wiesen werden trocken fallen
Kein Echo wird mehr widerhallen
Insekten finden keine Blüten
Uns allen fehlt der Wald
Es scheint, als ob die nackten Felsen
Sich kahle Hänge runter wälzen
Kein Schäfer wird mehr Schafe hüten
Weil alles wirkt so kalt

Sagt mir, seid ihr alle blind
Was ist uns geblieben –
Windräder ja – aufs Meer geschwind
Weil sie die Stürme lieben –

Die Politik muss überdenken
Was richtig und was schlecht
Die Stromerzeugung richtig lenken
Verlangen wir zu Recht
Doch Wald bleibt Wald
’s kommen Eichen und Buchen
Und wer sonst noch siedelt im Wald
Es läuft bereits das große Suchen –

Wir leben in der Zeitenwende
Die gleicht ’ner großen Schleife
Sie braucht Klugheit und aller Hände
Und eine hohe Reife
Windräder ja, doch nicht im Wald
Wo das geschah, wird man schon bald
Kein grünes Land mehr sehen
Und lässt uns dies Desaster kalt
Ist’s um uns selber geschehen

„Itterbitz Vom Inselsberge“ veröffentlichte auf Facebook diese anrührenden Verse vom Lauchagrund in Bad Tabarz

Klage um den Lauchagrund

Oh Lauchagrund, du altes Tal,
verwundet liegst du kahl um kahl.

Wo einst die Riesen Wache standen,
die Wurzeln tief in Sagen banden,
wo Kelten einst am Feuer saßen
und ihre Spuren hier vergaßen,

wo Nebel durch die Schluchten zogen
und Märchen durch die Kronen flogen,
wo jeder Stein Geschichte sprach,
da fällt nun Schlag auf Schlag zu Boden.

Hier suchte man nach Trost und Frieden,
wenn Lärm und Hast das Herz zerrieben.
Hier kam man her, um Kraft zu tanken,
um Geist und Seele neu zu stärken.

Die Quellen sangen leise Lieder,
der Wald gab Ruhe immer wieder.
Die Luft war kühl, die Gedanken klar,
weil dieser Ort noch heilig war.

Doch nun erklingt ein anderes Lied.
Der Stahl frisst sich durch jedes Glied.
Die Riesen fallen Stück für Stück,
und mit ihnen schwindet unser Glück.

Man nennt die Gründe klug und fein,
doch niemand hört die Stämme schrein.
Mal ist’s der Käfer, mal Gefahr,
mal dieses, jenes
Jahr für Jahr ganz gleich.

Ein Schlag hier, eine Schneise dort,
und wieder stirbt ein kleiner Ort.
So langsam, dass man’s kaum bemerkt,
so leise, dass kein Widerstand erstarkt.

Und während man die Wälder lichtet,
wird mehr als nur ein Baum vernichtet.
Denn mit den Kronen fällt zugleich
ein Stück von unserm alten Reich.

Die Sagen verlieren ihren Klang,
die Wege ihren Zauber sang.
Die Quellen flüstern schwächer nur,
beraubt der schützenden Natur.

O Herr der Wälder, hört Ihr nicht,
wie dieses alte Tal zerbricht?
Wie jede Fichte, jede Buche
auch Träger unsrer Geschichte suche?

Man raubt uns mehr als Holz allein.
Man schlägt Erinnerung entzwei.
Man fällt die Orte stiller Kraft,
die Generationen Halt verschafft.

Was werden einst die Kinder sehen,
wenn wir den Weg so weitergehen?
Noch Bilder von dem Wald vielleicht,
doch keinen Wald, der ihnen gleicht.

Dann stehen sie an kahlen Hängen
und hören keine Märchen klingen.
Sie kennen nur, was wir verloren,
und fragen: Warum habt ihr’s nicht beschworen?

Drum schweigt nicht länger, Volk vom Tal.
Denn jeder Schlag ist eine Wahl.
Und wer die Heimat wirklich ehrt,
der merkt, was hier verloren wird.

Nicht Holz allein, nicht Baum um Baum
nein, einen ganzen Lebenstraum.

Oh Lauchagrund, du schönes Land,
verwundet durch des Menschen Hand.
Möge man endlich wieder sehen,
was mit dir droht zugrunde zu gehen.

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