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NEUE Studie zu Infraschall liefert Messdaten moderner Windkraftanlagen

23. Juni 2026

Schwedische Forscher untersuchen Infraschall von Windparks

01.06.2026 – nach einem Beitrag von Holger Douglas

Eine aktuelle Untersuchung aus Schweden befasst sich mit dem Infraschall, der von modernen Windkraftanlagen ausgeht. Die Wissenschaftler stützen sich dabei auf konkrete Messungen in zwei Windparks.

Die Studie erlaubt noch keine abschließende Aussage zu möglichen gesundheitlichen Schäden. Die Ergebnisse legen jedoch nahe, dass pauschale Mindestabstände und bisher eingesetzte Standardberechnungen die tatsächliche Ausbreitung tieffrequenter Schallwellen nicht immer ausreichend erfassen.

Quelle:

https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/lichtblicke-kolumnen/studie-infraschall-moderner-windkraftanlagen?amp=1#google_vignette

Die Messungen zeigen, dass moderne Windkraftanlagen deutliche Infraschallsignale erzeugen können. Die festgestellten Pegel und Intensitäten liegen teilweise über den Werten, die zuvor bei älteren und kleineren Anlagen ermittelt wurden.

Damit geraten auch pauschale Aussagen des Umweltbundesamtes in die Diskussion. Danach liege der von Windkraftanlagen ausgehende Infraschall regelmäßig unterhalb der sogenannten Wahrnehmungsschwelle. Weil Menschen ihn nicht bewusst hören könnten, spiele er demnach keine wesentliche Rolle.

Die schwedische Studie weist jedoch auf einen wichtigen Unterschied hin: Der Infraschall moderner Windkraftanlagen bildet kein gleichförmiges Hintergrundrauschen. Er tritt vielmehr in regelmäßigen Impulsen auf. Der häufig angeführte Vergleich mit natürlichem Infraschall greift deshalb möglicherweise zu kurz. Natürlich erzeugter Infraschall besitzt meist eine andere Struktur. Außerdem werden die von Windkraftanlagen ausgehenden tiefen Frequenzen auf ihrem Ausbreitungsweg nur vergleichsweise schwach abgeschwächt.

Regelmäßige Druckimpulse durch die Rotorblätter

Ein Schwerpunkt der Untersuchung liegt auf den besonderen Eigenschaften des von Windkraftanlagen erzeugten Infraschalls.

Immer wenn ein Rotorblatt den Turm passiert, entsteht ein Druckimpuls. Beim Vorbeilauf des Rotorblattes wird die Luft kurzzeitig verdichtet. Dadurch bilden sich wiederkehrende Schallimpulse in bestimmten Frequenzbereichen, die teilweise als charakteristisches Schlagen oder Knallen wahrgenommen werden.

Der entstehende Infraschall ist somit kein konstantes Geräusch. Die sogenannte Blattpassierfrequenz hängt unter anderem von der Größe und Drehgeschwindigkeit des Rotors ab.

Bei heutigen Großanlagen liegt diese Frequenz meist zwischen 0,2 und 0,5 Hertz. Ältere und kleinere Windkraftanlagen erreichten dagegen häufig Werte zwischen 0,7 und 0,9 Hertz.

In den Messspektren zeigen sich die Grundfrequenz sowie deren harmonische Frequenzen als schmale, deutlich erkennbare Spitzen. Natürlicher Infraschall verteilt sich dagegen in der Regel über einen breiteren Frequenzbereich. Regelmäßige, technisch verursachte Frequenzspitzen treten dort nicht in vergleichbarer Weise auf.

Gelände und Wetter beeinflussen die Ausbreitung

Die Ausbreitung tieffrequenter Schallwellen wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst. Dazu gehören unter anderem:

  • die Geländeform,
  • die Beschaffenheit des Bodens,
  • Windrichtung und Windgeschwindigkeit,
  • Temperaturverläufe,
  • die Schichtung der Atmosphäre.

Nach Auffassung der Autoren reichen vereinfachte Standardmodelle deshalb nicht aus, um den tieffrequenten Schall großer Windparks unter realen Bedingungen zuverlässig vorherzusagen.

Von besonderer Bedeutung ist, dass die Forscher ihre Ergebnisse nicht ausschließlich aus theoretischen Berechnungen ableiteten. Sie führten Messungen unter realen Bedingungen durch.

Grundlage der Studie waren Messdaten aus zwei schwedischen Windparks. Untersucht wurden der Windpark Målarberget mit 27 Anlagen des Typs Vestas V150 mit jeweils 4,2 Megawatt sowie der Windpark Lervik mit sieben Anlagen des Typs SG170 mit jeweils 6,6 Megawatt.

Beide Anlagentypen erreichen eine Gesamthöhe von ungefähr 200 Metern.

Für die Untersuchungen nutzten die Wissenschaftler kalibrierte Mikrofone, die speziell für tiefe Frequenzen geeignet sind. Die Messpunkte lagen etwa 500 Meter bis zwei Kilometer von der jeweils nächstgelegenen Windkraftanlage entfernt.

Dieser Bereich ist für die Bewertung besonders interessant. Die Messungen fanden nicht unmittelbar am Turm statt, lagen aber noch nahe genug am Windpark, um die festgestellten Signale den Anlagen zuordnen zu können.

Abschaltversuch bestätigt Zusammenhang mit dem Windpark

Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Messungen war ein kontrollierter Abschaltversuch. Dabei wurden die Windkraftanlagen vorübergehend stillgelegt. Anschließend verglichen die Forscher die Messwerte während des Betriebs mit den Werten bei abgeschalteten Anlagen.

Solange der Windpark arbeitete, lag das gemessene Infraschallsignal deutlich höher.

Am 23. Oktober 2024 wurden die Anlagen im Windpark Målarberget heruntergefahren. Rund 150 Sekunden später standen sie vollständig still. Gleichzeitig sank die gemessene Amplitude deutlich ab und stabilisierte sich anschließend auf einem niedrigeren Hintergrundniveau.

Dieses Ergebnis spricht gegen die pauschale Behauptung, dass bereits in einigen hundert Metern Entfernung praktisch nur noch natürlicher, durch Wind verursachter Hintergrundschall messbar sei.

Veröffentlichung in der Fachzeitschrift „Applied Acoustics“

Die wissenschaftliche Arbeit erschien in der Fachzeitschrift „Applied Acoustics“, Band 243, Ausgabe 2026. Sie trägt den Titel:

„Efficient finite difference modeling of infrasound propagation in realistic 3D domains: Validation with wind turbine measurements“

Verfasst wurde die Studie von Ken Mattsson, Gustav Eriksson, Leif Persson, José Chilo und Kourosh Tatar. Die Wissenschaftler gehören der Universität Uppsala und der Universität Gävle an.

Ausgangspunkt der Untersuchung ist die Annahme, dass tieffrequenter Schall unterhalb von 200 Hertz sowohl akustisch als auch gesundheitlich von Bedeutung sein könnte. Solche Frequenzen können Gebäudestrukturen leichter durchdringen als höherfrequenter Schall.

Frequenzen unterhalb von ungefähr 100 Hertz werden von Menschen häufig nicht als klarer Ton wahrgenommen. Betroffene beschreiben sie stattdessen teilweise als Druckgefühl, Vibration oder schwer einzuordnende räumliche Belastung.

Tieffrequenter Schall entsteht aus unterschiedlichen Quellen. Dazu gehören:

  • Straßenverkehr,
  • Flugverkehr,
  • Schienenverkehr,
  • Industrieanlagen,
  • Lüftungs- und Heizungsanlagen,
  • moderne Windkraftanlagen.

Die Autoren betonen, dass zuverlässige Berechnungsverfahren notwendig sind, um Schallausbreitung, Lärmkarten und mögliche Auswirkungen auf Mensch und Umwelt beurteilen zu können.

Neues Berechnungsmodell SoundSim360

Im Mittelpunkt der Arbeit steht das Modell SoundSim360. Es soll insbesondere tiefe Frequenzen genauer erfassen als bisherige Berechnungsverfahren.

Lange Schallwellen können sich um Hindernisse herum ausbreiten. Sie werden an Gebäudekanten und Geländeformationen gebeugt und verhalten sich in einer komplexen Umgebung anders als kurzwelliger, hörbarer Schall.

Bisherige Modelle konnten diese Effekte nach Einschätzung der Wissenschaftler nicht ausreichend berücksichtigen.

Anhand einer Schallquelle mit einer Frequenz von 25 Hertz in Uppsala zeigen die Autoren, dass frühere Berechnungsverfahren den Schalldruck hinter Gebäuden teilweise zu niedrig ansetzen. Ursache dafür sei, dass Beugungs- und Welleneffekte im tieffrequenten Bereich nur unzureichend dargestellt würden.

SoundSim360 basiert auf einem numerisch stabilen Rechenverfahren. Es soll die Ausbreitung von Schallwellen in unregelmäßigem Gelände und bei wechselnden atmosphärischen Bedingungen physikalisch genauer abbilden.

Die Untersuchung verfolgt zwei zentrale Ziele:

Erstens soll überprüft werden, ob sich das Modell SoundSim360 durch reale Infraschallmessungen in Windparks bestätigen lässt.

Zweitens wollen die Autoren mithilfe der Messwerte die Infraschall-Schallleistungspegel moderner Windkraftanlagen bestimmen und untersuchen, welchen Einfluss die Atmosphäre auf deren Ausbreitung hat.

Große Unterschiede zwischen Tag und Nacht

In Genehmigungsverfahren werden nach Darstellung der Autoren häufig vereinfachte Annahmen verwendet. Teilweise wird beispielsweise mit einer theoretischen Rückenwindsituation in alle Richtungen gerechnet.

Die Wissenschaftler zeigen dagegen, dass reale atmosphärische Bedingungen erhebliche Auswirkungen auf die Schallausbreitung haben können. Entscheidend sind unter anderem:

  • Tages- oder Nachtzeit,
  • Temperaturverlauf,
  • Windgeschwindigkeit,
  • Luftschichtung.

Die berechneten Ergebnisse unterscheiden sich deutlich.

An fünf untersuchten Schutzpunkten, die zwischen 1.085 und 13.460 Meter von der jeweils nächsten Windkraftanlage entfernt lagen, schwankten die simulierten Pegel bei einer Frequenz von einem Hertz erheblich.

Am am weitesten entfernten Messpunkt E berechnete das Modell bei einem Tagesprofil und einer Windgeschwindigkeit von einem Meter pro Sekunde einen Pegel von 76,7 Dezibel.

Bei einem Nachtprofil und einer Windgeschwindigkeit von acht Metern pro Sekunde lag der simulierte Pegel dagegen bei 91,2 Dezibel. Der Unterschied beträgt damit 14,5 Dezibel.

Am Punkt A, der lediglich 1.085 Meter von der nächsten Anlage entfernt lag, betrug die Differenz zwischen denselben atmosphärischen Extremen 3,8 Dezibel.

Die Wirkung der Atmosphäre fällt demnach besonders in größerer Entfernung ins Gewicht. Unter bestimmten Nacht- und Windbedingungen können sich wellenleiterähnliche Effekte bilden. Dadurch nimmt der Schallpegel mit wachsender Entfernung weniger stark ab, als es vereinfachte Modelle erwarten lassen.

Gesundheitsfolgen bleiben wissenschaftlich ungeklärt

Bei der Bewertung möglicher gesundheitlicher Auswirkungen äußern sich die Autoren zurückhaltend. Dennoch enthält die Arbeit einige bemerkenswerte Beobachtungen.

Zwei der beteiligten Wissenschaftler berichteten nach ersten Messungen über Schlafprobleme und migräneartige Kopfschmerzen. Zuvor waren sie mindestens vier Stunden lang Infraschallpegeln von etwas mehr als 95 Dezibel im Frequenzbereich um ein Hertz ausgesetzt gewesen.

Die Studie verweist außerdem auf ältere und neuere Veröffentlichungen, in denen unter anderem Veränderungen des Blutdrucks sowie mögliche Auswirkungen auf die Gehirnaktivität diskutiert werden.

Laboruntersuchungen, die keine messbaren gesundheitlichen Folgen durch Windkraft-Infraschall festgestellt hatten, werden von den Autoren kritisch betrachtet. Nach ihrer Einschätzung waren die jeweiligen Belastungszeiten teilweise zu kurz oder entsprachen nicht den Bedingungen in der Umgebung realer Windkraftanlagen.

Zudem sei der regelmäßig pulsierende Charakter des Infraschalls moderner Anlagen in manchen Versuchen nicht ausreichend nachgebildet worden.

Die Forscher erklären ausdrücklich nicht, dass gesundheitliche Schäden durch die vorliegenden Ergebnisse abschließend bewiesen seien. Vielmehr stellen sie fest, dass die gesundheitlichen Folgen des Infraschalls von Windkraftanlagen weiterhin nicht hinreichend geklärt sind.

Aus Sicht der Autoren fehlen kontrollierte Langzeituntersuchungen, die:

  • den realen pulsierenden Infraschall moderner Windkraftanlagen nachbilden,
  • über mehrere Wochen durchgeführt werden,
  • ausreichend viele Versuchspersonen einbeziehen,
  • besonders empfindliche Gruppen wie Menschen mit Migräne berücksichtigen,
  • medizinische Fachrichtungen wie Otoneurologie und Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde einbinden.

Langzeitmessungen an Wohnhäusern erforderlich

Als nächsten Forschungsschritt schlagen die Wissenschaftler kombinierte Messungen im Umfeld betroffener Wohnhäuser vor.

Dabei sollte der Infraschall gleichzeitig außerhalb und innerhalb der Gebäude erfasst werden. Die Messungen sollten unbewertet und schmalbandig im Bereich zwischen 0,1 und 20 Hertz erfolgen.

Zusätzlich müssten weitere Daten einbezogen werden:

  • Betriebsdaten der Windkraftanlagen,
  • Wetter- und Temperaturprofile,
  • Messungen des Körperschalls,
  • Schlafdaten der Bewohner,
  • längere Beobachtungszeiträume.

Erst durch solche umfassenden Untersuchungen ließe sich feststellen, welche Pegel unter bestimmten Bedingungen tatsächlich in Schlaf- und Wohnräumen ankommen. Ebenso müsste geklärt werden, ob diese Signale lediglich technisch messbar sind, als störend empfunden werden oder gesundheitliche Bedeutung besitzen.

Die Diskussion über Windkraftanlagen und Infraschall lässt sich deshalb nicht allein mit dem Argument beenden, ein für Menschen nicht hörbares Geräusch könne grundsätzlich keine Auswirkungen haben.

Erfahrungen aus einer dänischen Nerzfarm

Ein früher Bericht über mögliche Auswirkungen von Windkraftanlagen stammt aus Dänemark. Im Mittelpunkt steht der Fall des Nerzfarmers Kaj Bank Olesen aus der Nähe von Vildbjerg in Westjütland.

In der Umgebung seiner Farm errichtete das Unternehmen Wind Estate im Jahr 2013 vier Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von jeweils etwa 140 Metern.

Bereits während der Planungen wurde darauf hingewiesen, dass die Anlagen ungefähr 400 Meter südlich der Farm entstehen sollten. Gleichzeitig lagen keine belastbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber vor, wie große Windkraftanlagen auf Nerze wirken könnten.

Nerze reagieren besonders empfindlich auf plötzlich auftretende und unbekannte Geräusche. Dies gilt vor allem während der Trächtigkeits- und Säugezeit.

Nach der Inbetriebnahme der Windkraftanlagen berichtete der Farmer über deutliche Veränderungen bei seinen Tieren. Dazu gehörten:

  • auffälliges Stressverhalten,
  • zunehmende Aggressivität,
  • Bissverletzungen,
  • Probleme bei der Paarung,
  • erheblich schlechtere Ergebnisse bei der Aufzucht der Jungtiere.

Der dänische Verband der Pelztierzüchter bestätigte gegenüber den Behörden, dass ihm der Fall bekannt war. Zugleich erklärte der Verband, es gebe keine Untersuchungen, die einen ursächlichen Zusammenhang entweder bestätigen oder ausschließen könnten.

Der Fall zeigt die Schwierigkeiten, die entstehen können, wenn neue technische Anlagen in unmittelbarer Nähe zu empfindlichen Tierhaltungen genehmigt werden, obwohl ausreichende biologische Risikobewertungen fehlen.

Olesen beendete seine Nerzproduktion im Jahr 2018 und verklagte Wind Estate auf Schadenersatz.

Die Gerichte erkannten an, dass sich die Produktion nach der Inbetriebnahme der Anlagen erheblich verschlechtert hatte und bei den Tieren auffällige Verhaltensänderungen aufgetreten waren.

Die Klage wurde dennoch abgewiesen. Nach Auffassung des Gerichts konnte der ursächliche Zusammenhang zwischen dem von den Windkraftanlagen ausgehenden Lärm und den Schäden in der Nerzhaltung rechtlich nicht zweifelsfrei bewiesen werden.

Der Fall macht jedoch deutlich, dass die bloße Feststellung einge­haltener Grenzwerte nicht jede offene Frage beantwortet. Dies gilt insbesondere dort, wo empfindliche Tiere dauerhaft regelmäßigen, tieffrequenten und für sie nicht vorhersehbaren Geräuschmustern ausgesetzt sind.

Weiterer Beitrag zum Thema

Einen ergänzenden Beitrag zu möglichen gesundheitlichen Zusammenhängen finden Sie unter:

https://www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/mehr-herzkranke-in-naehe-von-windraedern-studie-wirft-fragen-auf-50832405

Krankmacher Windkraftanlagen?: Auswirkungen des Infraschalls auf unsere Gesundheit.

Eine Dokumentation von Wolfgang Müller (Autor)
Herausgeber: ‎ Neusatz Verlag, Erstauflage, Deutsch, Print-Ausgabe,
192 Seiten, ISBN‎ 978-3948090050

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