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„Windräder retten den Wald?“ Unsere Einordnung zum Beitrag des MDR vom 07.07.2026

8. Juli 2026

Der MDR hat kürzlich den Beitrag „Warum Thüringenforst künftig Windräder bauen will“ veröffentlicht. Darin wird die Auffassung von ThüringenForst dargestellt, wonach Einnahmen aus Windenergie einen wichtigen Beitrag zum Waldumbau leisten könnten.

Nachstehend ein Zitat aus dem MDR Beitrag von Jörn Rippken, Vorstand des Landesforstbetriebes Thüringenforst:

372 Windräder wären maximal möglich

Dennoch gibt es Wälder, die in Betracht kommen: Mittlerweile sind auf dem Gebiet von Thüringenforst etwas mehr als 3600 Hektar als Windvorranggebiete ausgewiesen. 372 Windräder könnten hier theoretisch maximal gebaut werden, sagt Jörn Ripken. Natürlich sei der Bau dieser Windräder ein Eingriff in den Naturhaushalt. „Genau wie ein Einfamilienhaus, ein Supermarkt oder eine Straße“.

Aus Sicht unserer Initiativgruppe „Keine Windkraft im Wald“ greift diese Darstellung jedoch zu kurz.

Gesetzesänderung schafft neue Voraussetzungen

Mit dem Thüringer Gesetz zur Weiterentwicklung der Landesforstanstalt, das im Dezember 2025 beschlossen wurde, erhielt ThüringenForst deutlich erweiterte Befugnisse. Seitdem darf die Landesforstanstalt ausdrücklich auch Geschäfte zur Erzeugung erneuerbarer Energien betreiben. Das Gesetz eröffnet damit die Möglichkeit, Windenergieanlagen auf geeigneten Flächen des Landeswaldes zu errichten oder entsprechende Projekte wirtschaftlich zu begleiten – sofern die planungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind.

Aus unserer Sicht wurde damit ein grundlegender Kurswechsel eingeleitet.

Während ThüringenForst bislang in erster Linie für den Schutz, die Pflege und die nachhaltige Bewirtschaftung des Staatswaldes verantwortlich war, treten nun wirtschaftliche Interessen im Bereich der Energieerzeugung hinzu. Genau darin sehen wir einen erheblichen Zielkonflikt.

Retten Windräder den Wald?

Bereits die Überschrift des MDR-Beitrags vermittelt aus unsrer Sicht den Eindruck, Windenergieanlagen seien die Lösung für die Probleme unserer Wälder.

Nach unserem Verständnis ist das jedoch eine verkürzte Darstellung.

Windräder selbst heilen keine Dürreschäden, stoppen keinen Borkenkäferbefall und machen den Wald auch nicht widerstandsfähiger gegen den Klimawandel. Der eigentliche Gedanke lautet vielmehr: Die Einnahmen aus Windkraft sollen den Waldumbau finanzieren. Das ist ein wesentlicher Unterschied.

Hinzu kommt aus unserer Sicht ein weiterer Aspekt: Die Wirtschaftlichkeit der Windenergie beruht derzeit in erheblichem Maße auf den gesetzlichen Vergütungsmechanismen und Förderinstrumenten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Wir halten es für fraglich, ob ein dauerhaft auf staatlicher Förderung basierendes Finanzierungsmodell über viele Jahrzehnte hinweg unverändert Bestand haben kann. Keine Volkswirtschaft kann Subventionen in unbegrenzter Höhe und auf unbegrenzte Zeit garantieren. Umso kritischer sehen wir es, wenn für ein solches Modell dauerhaft in sensible Waldgebiete eingegriffen wird. Denn während sich politische Rahmenbedingungen und Fördersysteme jederzeit ändern können, bleiben die Eingriffe in den Wald häufig über Generationen sichtbar. Rodungen, großflächige Fundamente und der Ausbau von Schwerlastwegen verändern Böden und Landschaft dauerhaft und lassen sich nach unserer Auffassung nicht ohne Weiteres in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzen. Ein Schaden für Generationen…

Was aus unserer Sicht zu kurz kommt

Der Beitrag beschreibt nachvollziehbar die schwierige finanzielle Situation von ThüringenForst. Gleichzeitig bleiben aus unserer Sicht entscheidende Fragen offen.

Dazu gehören unter anderem:

  • Welche Auswirkungen haben Rodungen, Kranstellflächen, Fundamente und neue Schwerlastwege dauerhaft auf das Ökosystem Wald?
  • Welche Folgen ergeben sich für geschützte Tierarten und ihre Lebensräume?
  • Welches Risiko gehen wir mit der nachgewiesenen Kontamination der Böden und Wasservorkommen mit Ewigkeitschemikalien ein?
  • Welche Risiken bestehen für empfindliche Waldböden sowie für den Wasserhaushalt und Trinkwasserschutz?
  • Welche Auswirkungen entstehen für Erholung, Tourismus und das Landschaftsbild des Thüringer Waldes?
  • Welche alternativen Finanzierungsmöglichkeiten wurden geprüft, bevor Staatswald für Windenergie geöffnet wurde?

Diese Fragen verdienen aus unserer Sicht dieselbe Aufmerksamkeit wie die wirtschaftlichen Vorteile.

Der Wald ist mehr als eine Einnahmequelle

Der Thüringer Wald erfüllt zahlreiche Aufgaben gleichzeitig.

Er speichert Wasser, bindet Kohlendioxid, schützt Böden, bietet Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten und ist Erholungsraum für Einheimische sowie Gäste aus ganz Deutschland.

Gerade deshalb halten wir es für problematisch, wenn wirtschaftliche Erwägungen zunehmend Einfluss auf die Nutzung unseres Staatswaldes nehmen.

Unser Appell

Wir respektieren unterschiedliche Auffassungen zur Energiepolitik. Gleichzeitig erwarten wir eine ausgewogene öffentliche Diskussion, in der Chancen und Risiken gleichermaßen dargestellt werden.

Der bevorstehenden Öffentlichkeitsbeteiligung zum 2. Entwurf des 2. Sachlichen Teilplans Windenergie kommt deshalb eine besondere Bedeutung zu. Jeder Bürger erhält die Möglichkeit, sich mit einer Stellungnahme einzubringen.

Auch wir werden dieses Beteiligungsverfahren intensiv begleiten, Unterstützung bei der Erstellung geben und uns somit weiterhin für den Schutz unseres Thüringer Waldes einsetzen. Unser aller Heimat…


Den MDR-Beitrag finden Sie hier:

„Warum Thüringenforst künftig Windräder bauen will“
https://www.mdr.de/wissen/umwelt-klima/thueringenforst-wald-windenergie-ausbau-thueringen-,windkraft-248.html

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